Brauen mit frischem Hopfen

Wie der ein oder andere vielleicht schon bei Facebook gesehen hat, habe ich dieses Jahr zum ersten Mal Hopfen angepflanzt. Anfang des Jahres habe ich zwei Reben Cascade bekommen. An dieser Stelle nochmal vielen lieben Dank an den edlen Spender!

Die Pflanzen entwickelten sich über das Jahr super und wucherten bis zum Dach. An jeder der beiden Reben hatte ich 3 Triebe stehen lassen. Am ersten September Wochenende war es dann soweit und ich habe mit dem Hopfen ein Grünhopfenbier gebraut. Den Brautag werde ich hier dokumentieren und die Bilder geben zusätzlich einen Eindruck, wie es gelaufen ist.

Als erstes habe ich geprüft, ob der Hopfen reif ist. Dazu kann man die Dolden zwischen Daumen und Zeigefinger drücken. Wenn die Dolde wieder ihre normal Form annimmt und nicht zusammen gedrückt bleibt, dann ist das ein erstes gutes Zeichen. Ausserdem sollte im Inneren Lupulin sichtbar sein. Dieser „Staub“ ist gelblich und klebrig. Auf dem Foto anbei, sieht man das recht gut.

Am Brautag wurde morgens als erstes eingemaischt. Für 40 Liter kamen

8kg Pale Ale Malz
05,kg Münchner Malz
0,5kg Cara dunkel
100g Melanoidin Malz

zur Kombirast bei 68° Grad in den Thermoport. Dann ging es an die Ernte!

Ich habe die Pflanzen vollständig abgeerntet und an der Rebe einen Rest der Triebe von ca. 40-50cm stehen lassen. Das ging recht zügig. Das Zupfen der Dolden hat dann schon wesentlich länger gedauert und die ganze Familie wurde zur Ente eingespannt. Die beiden Reben brachten am Ende knapp unter 2kg (1930 Gramm) auf die Waage. Diese Ernte habe ich in zwei Portionen zu je gut 1 Kilo geteilt.

Nach der Ernte der Dolden ging es wieder in die Braustube. Erst wurde geläutert und dann gekocht. Nach Kochbeginn habe ich den Sud neutral mit 25 Gramm Herkules gebittert. Der frische Hopfen war ausschliesslich für das Aroma zuständig. Ich habe 60 Minuten gekocht und zum Kochende kam nach „Flame out“ das erste Kilo frischer Cascade in den Topf. Das ist schon eine amtliche Menge und eine ganz schönes Suppe. Ich habe die Dolden für 20 Minuten im Sud gelassen und sie dann abgeschöpft.

Nachdem der Sud unter 80° Grad war, habe ich das zweite Kilo in den Sud gegeben und dann den Whirlpool eingerührt. Nach 15 Minuten Wartezeit habe ich auch hier die Dolden abgeschöpft. Im Anschluss habe ich die Würze ins Gärfass abgelassen. Das Aroma war einfach der Hammer!

Fazit: Brauen mit frischem Hopfen ist mega spannend und interessant aber es macht auch eine Menge Arbeit. Die Ernte und das Zupfen der Dolden ist schon eine Aufgabe. Mit der Unmenge an Hopfen zu brauen ist auf so eine Aufgabe. Es geht auch schnell Richtung Sauerei und es dauert alles etwas länger. Da man nicht genau weiss, welchen Alphawert der Hopfen hat, ist es halt auch ein wenig ein Blindflug. Aus diesem Grund habe ich vorher neutral gebittert und den frischen Hopfen nur am Ende eingesetzt. Ich bin auf das Ergebnis gespannt und möchte diese Art von Rezept über die Jahre anhand meiner Notizen optimieren.

Was würde ich anders machen?
Wahrscheinlich werde ich in Zukunft schon weniger abernten und auch weniger Hopfen zum brauen nehmen. Zwei Kilo Dolden sind im Topf einfach eine enorme Menge. In Zukunft würde ich eher Säckchen nutzen und die Dolden nicht direkt rein werfen. Das Abschöpfen dauert einfach ewig. Beim nächsten Mal werde ich die Würze wohl eher von oben abziehen, denn mein Hahn war diesmal sofort zu und auch der Filter war direkt am Limit. Alles recht aufwendig und nicht zu unterschätzen.

Der Sud gärt jetzt mit der S04 und ich werde weiter berichten. Meinem „Wet Hop Ale“ werde ich den Namen „Greenhorn“ geben.

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Häufige Fragen..

Wie der ein oder andere vielleicht schon bemerkt hat, gibt es in der Navigation dieser Seite eine neue Rubrik: Die FAQ. Hin und wieder landet eine E-Mail in meinem Posteingang und ich bekomme eine Frage rund um das Brauen oder das Brauen mit der Brauanleitung gestellt. Diese Fragen habe ich nun nach einiger Zeit gesammelt und näher betrachtet. Dabei ist mir aufgefallen, dass es Fragen gibt, die immer wieder auftreten und dadurch eben auch eine gewisse Relevanz besitzen. Aus diesen Fragen habe ich eine Liste aufgebaut und die Fragen einmalig beantwortet. Für mich wird dies in Zukunft vielleicht eine Hilfe sein, da ich auf diese Seite verweisen kann. Vielleicht werden so aber auch Fragen im Vorfeld beantwortet und der ein oder andere Anfänger kommt schneller zu seiner Antwort. Ich sehe die Seite als „lebendes Dokument“ und werde sie nach und nach wachsen lassen.

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Hobbybrauer Wunschzettel 2016

Es geht mit grossen Schritten auf Weihnachten zu und auch in diesem Jahr soll es hier einen kleinen Wunschzettel für Hobbybrauer als Anregung geben. Der Wunschzettel richtet sich dabei insbesondere an diejenigen unter euch, die bereits ein paar Sude in der Einkocherklasse absolviert haben und nun über die Vergrösserung ihres Setups nachdenken.

1) Edelstahltopf
Ein grosser induktionsgeeigneter Edelstahltopf ist für das Brauen ausserhalb der Einkocherklasse ein prima Sache. Nehmt lieber eine Nummer grösser, denn so ist euer Setup nach oben flexibel und ihr könnt via High-Gravity ggf. auch einmal ordentlich Menge produzieren. Dh. ein 70 Liter Topf ergibt mehr Sinn, als 50 Liter. Lasst euch direkt einen Hahn dran machen und ich empfehle hier einen Anschweissnippel gegenüber allen Versuchen das Loch anderweitig abzudichten. Entsprechende Töpfe findet ihr in Hobbybrauer-Shops, bei eBay und im Gastronomiehandel.

2) Induktionsplatte
So ein grosser Topf muss natürlich auch beheizt werden. Gegenüber einem Gasbrenner lege ich euch lieber eine Induktionsplatte ans Herz. Dies liegt schlicht daran, dass man so auch gut Innen- und im Aussenbereich brauen kann. Ihr seid dann einfach flexibler. Für einen grossen Topf mit 50 oder 70 Liter sollte die Platte 3500 Watt haben. Ein beliebtes Model bei Hobbybrauern ist die Hendi. Solltet ihr doch eher zum Gasbrenner tendieren, dann sollte dieser min. 7kw haben.

3) Thermoport
Der Schengler Thermoport ist unter Hobbybrauern extrem beliebt. In der Regel wird er als Läutergefäss eingesetzt. Einige nutzen den Thermoport aber auch, um darin in Ruhe eine Kombirast zu machen. Da der Thermoport isoliert ist und seine Temperatur wirklich prima hält, ist dies eine entspannte Technik. Zum Läutern kann man im Thermoport ein Läuterblech einlegen oder die Läuterhexe einbauen. In Kombination mit einem 50 oder 70l Topf ist der 38l Thermoport bestens geeignet. Den Thermoport findet ihr in Hobbybrauer-Shops, bei eBay und im Gastronomiehandel.

4) Flaschenfüller
Wer mehr produziert, hat auch mehr Arbeit mit dem Abfüllen. Daher ergibt ein Flaschenfüller ab einer gewissen Menge wirklich Sinn. Einige Flaschenfüller ermöglichen das zeitgleiche Abfüllen mehrerer Flaschen und lassen sich in fast jedes Setup integrieren. Bei einigen Modellen gehen die Preise arg auseinander. Achtet in jedem Fall auf die Qualität und die Verarbeitung. Diesbezüglich helfen die Kommentare in einigen Shop weiter.

5) Literatur
Auch in diesem Jahr ist wieder einiges an neuen Titeln erschienen und natürlich gibt es weiterhin die tollen Standardwerke. Ein gutes Buch über das Brauen oder (Craft) Bier ist in jedem Fall immer ein prima Geschenk. Ich habe dieses Jahr „Mastering Homebrew“ von Randy Mosher studiert und bin noch immer begeistert. In jedem Fall ein gutes Tipp für unter den Baum.

Ich wünsche allen eine entspannte Adventszeit und bierige Weihnachten!

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